5. Dezember 2020

Stromhandel in der Energienachbarschaft

Plattform für Energiegemeinschaften gewinnt Energietechnik-Hackathon der Forschungsinitiative Green Energy Lab. Stromspar-Challenges könnten Gemeinden und ihre Bewohner dazu motivieren, energieeffizienter zu leben. (Alois Pumhösel / Der Standard)

Um die Energiewende zu schaffen, sollte Strom aus erneuerbaren Quellen bezogen, lokal verbraucht und möglichst effizient eingesetzt werden. Das bedeutet, dass Entscheidungen und das Verhalten von Verbrauchern – die nun auch als Energieproduzenten auftreten und zu „Prosumern“ werden – mit zu den wichtigsten Faktoren im Energiesystem werden.

Gleichzeitig ist es für sie aber nicht einfach, jedes Detail ihres „Energielebens“ zu managen. Sie sollten Überblick über Strombezug und Verbrauch haben und die Motivation für stetige Optimierungen aufbringen.

Einen Ansatz, wie Bewusstsein für Energiefragen gefördert und gleichzeitig ein Beitrag für stabilere Netze geleistet werden kann, zeigten junge Entwickler bei einem „Hackathon“ des Green Energy Lab, einer Forschungsinitiative, die vom Klimaschutzministerium gefördert wird. Bei dem Bewerb, der – inklusive Teamarbeit, Jurysitzung und Preisverleihung – virusbedingt spontan in den virtuellen Raum verlegt wurde, traten Teams mit Ideen für eine „nachhaltigere Energiezukunft“ gegeneinander an.

Nachbarschaftfoflicher Stromtausch

Der erste Platz und der größte Anteil der Preisgelder von insgesamt 10.000 Euro ging dabei an eine Plattform für Energiegemeinschaften, die einen unkomplizierten Stromhandel in kleinen Energiecommunitys ermöglichen soll. „Die Menschen sollten einen persönlichen Bezug zum Energiethema entwickeln – ähnlich wie bei der Milch, die vom Bauern aus der Region stammt“, erläutert der Business-and-Software-Developer Philipp Hamann, der mit dem Wirtschaftsinformatiker Felix Fally, dem Wirtschaftsingenieur Max Brandts und dem Softwareengineer Harald Reingruber das Gewinnerteam stellt.

Elektrizität solle mit ihrer Anwendung nicht nur rechnerisch tausch- und handelbar werden, wie das bereits in vielen Energiecommunitys üblich ist, sondern „wirklich physikalisch und örtlich zwischen den Nachbarn“.

Möglichst simpel

Ein Ziel dabei ist, dass die Lösung möglichst niederschwellig funktioniere: Die Plattform soll als App organisiert sein, mit der man sich mittels QR-Code auf dem Smart Meter schnell identifizieren und Energiedaten beziehen kann. „Der Fokus auf Einfachheit ist wichtig“, sagt Hamann. „Die Nutzer sollen nicht tausend Parameter einstellen müssen, um teilnehmen zu können.“

Auch der Handel selbst soll in simpler Weise und ohne dass man als Nutzer viel Zeit am Handy verbringen muss funktionieren. Hamann: „Man gibt einfach die Präferenzen an, von welchem Nachbarn, der Überschussenergie anbietet, man diese beziehen möchte.“

Um das Gemeinschaftsgefühl in den Energiecommunitys zu stärken, sollen Challenges, gemeinsame Herausforderungen, etwa im Bereich der Energieeffizienz, gesetzt werden. „Es sollen Möglichkeiten ausgelotet werden, Strom zu reduzieren“, sagt Hamann. „Eine Challenge könnte etwa sein, das Licht in ungenutzten Räumen nicht mehr brennen zu lassen. Eine andere vielleicht, die Waschmaschine nur dann einzuschalten, wenn viel Strom produziert wird.“

Motivation dazu soll neben Incentives von Gemeinden und Energieversorgern auch aus dem Vergleich mit Nachbarcommunitys kommen. Im besten Fall kommt es also zu einer Art Wettrennen in Richtung Energieeffizienz, das die App in entsprechenden Rankings abbildet.

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