Wärme für weitere 16.000 Haushalte aus der Müllverbrennung in Spittelau

Eine neue Großwärmepumpe in der Müllverbrennungsanlage Wien Spittelau heizt künftig 16.000 Wiener:innen ein. Zusätzliche 16 Megawatt Leistung führen zu einer Effizienzsteigerung bei der Müllverbrennung um 13 Prozent. Die Anlage ist ein Demonstrationsprojekt von ThermaFLEX im Portfolio von Green Energy Lab.

© Wien Energie

Wien Energie baut in der Müllverbrennungsanlage Spittelau die dritte Großwärmepumpe in Wien. Das innovative Projekt ist dank seiner ausgeklügelten Technik einzigartig in Mitteleuropa. Mit einer Leistung von 16 Megawatt versorgt die hochmoderne Anlage ab dem Frühjahr 2025 etwa 16.000 Haushalte mit klimafreundlicher Fernwärme und spart so rund 22.000 Tonnen CO2 jährlich ein. 

Klimaneutralität: Fernwärme wird immer wichtiger 

Wien hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Der Umstieg auf umweltfreundliche Heizformen ist dafür ein gewichtiger Erfolgsfaktor. Die Bedeutung der Fernwärme nimmt dabei stark zu: 56 Prozent des Wärmebedarfs in Wien sollen bis 2040 durch sie gedeckt werden. Um die Fernwärme künftig ausschließlich klimaneutral zu erzeugen, setzt Wien Energie neben dem Hoffnungsträger Geothermie auf die Nutzung vorhandener Abwärme. 

„Die neue Großwärmepumpe ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Wärmewende. Mit der Investition von rund 40 Millionen Euro in diese hochinnovative Lösung zur maximalen Nutzung vorhandener Abwärme sind wir technologisch ganz vorne mit dabei und setzen europaweit Maßstäbe. Mit der Inbetriebnahme 2025 versorgen wir nicht nur zusätzlich 16.000 Haushalte mit Fernwärme, sondern machen aus der Spittelau auch die effizienteste Müllverbrennungsanlage Mitteleuropas“, so Karl Gruber, Geschäftsführer Wien Energie. Durch die Wärmepumpen steigt die Effizienz der gesamten Müllverbrennungsanlage um rund 13 Prozent auf über 95 Prozent. Das bedeutet, dass fast die gesamte Energie, welche für den Prozess notwendig ist, auch effizient genutzt wird. 

Abwärme aus der Rauchgasreinigung heizt ein und schont Wasser-Ressourcen 

Wien Energie erzeugt mit der Müllverbrennungsanlage Spittelau Strom und Wärme. Im Verbrennungsprozess entstehen Rauchgase. Diese werden in einem mehrstufigen Prozess gefiltert und gereinigt, unter anderem in einer sogenannten nassen Rauchgaswäsche. Im Wasser werden Schadstoffe aus dem Rauchgas gebunden. Danach wird das Wasser in einem aufwändigen Prozess gereinigt, dabei abgekühlt und als gereinigtes Wasser wieder in den Donaukanal abgegeben. Die Abwärme bleibt dabei im Rauchgas und wird über den Schlot an die Luft abgegeben. 

Ab Anfang 2025 ändert sich das: Wien Energie nutzt künftig diese Abwärme für die zusätzliche Erzeugung von Fernwärme mittels Wärmepumpen. Dem bei der Abkühlung des Rauchgases entstehenden Kondensat (Wasser) entzieht man mit Wärmetauschern rund 10 Grad Celsius und nutzt diese Energie mit der modernen Wärmepumpentechnik in der hochkomplexen Anlage, um wiederum Wärme mit rund 90 Grad Celsius zu erzeugen. Diese Wärme fließt dann in Form von heißem Wasser über das Fernwärmenetz in zigtausende Wiener Wohnungen. 

Das abgekühlte Wasser aus der Rauchgaskondensation wird wieder aufbereitet und dem Prozess der Müllverbrennungsanlage erneut zugeführt. Wien Energie braucht dadurch für den Prozess der Müllverbrennung um bis zu 125.000 Kubikmeter weniger Wasser pro Jahr aus dem Donaukanal – das entspricht ungefähr der Wassermenge von 700.000 Badewannen-Füllungen. 

 

Infografik Großwärmepumpe Spittelau – Foto: Wien Energie / APA Grafik 

 

Dekarbonisierung der Fernwärme mit Abwärme und Geothermie 

Bis 2040 soll die Fernwärme komplett klimaneutral werden. Dafür kommen vor allem Großwärmepumpen und Geothermie zum Einsatz. Aktuell stammt gut die Hälfte der Wiener Fernwärme aus den Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die mit Erdgas betrieben werden. Zur Spitzenabdeckung kommen außerdem Heizkraftwerke zum Einsatz (unter 10 Prozent). Etwa ein Drittel kommt aus der Müllverbrennung, der Rest kommt aus industrieller Abwärme, Biomasse und Erd- und Umgebungswärme. 2030 soll bereits mehr als die Hälfte der Fernwärme aus erneuerbaren Quellen kommen und bis 2040 will Wien Energie die Fernwärme gänzlich aus erneuerbaren Energien erzeugen. 

Die Großwärmepumpe Spittelau ist bereits das dritte Großwärmepumpen-Projekt von Wien Energie mit einer Leistung über 10 Megawatt. Die erste Anlage ging 2019 am Kraftwerksstandort Simmering in Betrieb und nutzt dort die Restwärme aus dem Kühlwasserkreislauf. Die zweite Anlage ist kurz vor Fertigstellung: An der ebs wien Kläranlage in Simmering baut Wien Energie aktuell die größte und leistungsstärkste Großwärmepumpe Europas. Im Vollausbau wird die Anlage 112.000 Haushalte mit klimaneutraler Wärme versorgen. Zwei weitere, kleinere Großwärmepumpen hat Wien Energie bereits für die Abwärmenutzung bei der UNO-City und der Therme Wien errichtet. 

Eckdaten Großwärmepumpe Spittelau 

  • Baubeginn: Frühjahr 2023 
  • Geplante Inbetriebnahme: Anfang 2025 
  • Anlagenleistung: 16 Megawatt thermisch (2 Wärmepumpen zu je 8 MW) 
  • Versorgte Haushalte: rund 16.000 Wiener Haushalte 
  • CO2-Einsparung: rund 22.000 Tonnen CO2/Jahr 
  • Investitionen: 40 Millionen Euro 
  • Das Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen der FTI-Initiative „Vorzeigeregion Energie“ als Teil des Leitprojekts „ThermaFLEX“ von Green Energy Lab durchgeführt. Für herausragende Leistung gewann ThermaFLEX im Juni 2023 den Energy Globe Austria Award. 

Zur Müllverbrennungsanlage Spittelau 

Die Müllverbrennungsanlage Spittelau gilt als Wiener Wahrzeichen und Vorbild für den Klimaschutz in der Stadt. Mit der Umgestaltung durch den Künstler Friedensreich Hundertwasser nach einem Großbrand vereint die Anlage seit über 25 Jahren Technik, Kunst und Ökologie. Der Standort verfügt über eine der weltweit modernsten Rauchgasreinigungen und verwertet Abfall auf höchstem Umweltniveau. 250.000 Tonnen Wiener Hausmüll werden hier jährlich verbrannt. Die in der Spittelau erzeugte Wärme beheizt jährlich mehr als 60.000 Haushalte in Wien. 50.000 Haushalte können mit Strom versorgt werden.

 

 

Einbringen der Füllkörperkondensationskolonne

 

Anlieferung der neuen Großwärmepumpe in der Müllverbrennungsanlage Wien Spittelau 

Foto: Wien Energie 

 

 

Mit 16 Megawatt Leistung soll die Wärmepumpe künftig 16.000 Haushalte in Wien mit Fernwärme versorgen, der Wirkungsgrad der Müllverbrennungsanlage steigt damit auf über 95 Prozent 

Foto: Wien Energie/Johannes Zinner 

 

 

 

Exkursion des Teams von Green Energy Lab zur Müllverbrennungsanlage Spittelau 

Foto: Green Energy Lab 

 

 

 

 

Kontakt

Ludwig Fliesser

Communications Manager

T: +43 676 47 19 347
E: ludwig.fliesser@greenenergylab.at