Saisonale Wärmespeicher für Fernwärmenetze

Saisonale Wärmespeicher können Wärmeüberschüsse aus dem Sommer für die kalte Jahreszeit nutzbar machen. Der Insight Talk am 15. Oktober 2026 gab einen Überblick über verschiedene Speichertechnologien und zeigte anhand zweier konkreter Projekte in Wien und der Steiermark, wie solche Lösungen umgesetzt werden können.

 

22. Oktober 2026 – Saisonale Wärmespeicher können eine wichtige Rolle dabei spielen, Wärme über längere Zeiträume verfügbar zu machen. Während in den Sommermonaten Wärmeüberschüsse entstehen können, steigt der Bedarf in der kalten Jahreszeit. Für Fernwärmenetze eröffnet die saisonale Speicherung damit die Möglichkeit, Erzeugung und Verbrauch zeitlich stärker voneinander zu entkoppeln und unterschiedliche Wärmequellen flexibler zu nutzen.

Beim Insight Talk am 15. Oktober 2026 wurden unterschiedliche Speichertechnologien vorgestellt und anhand zweier konkreter Projekte gezeigt, wie saisonale Speicherung in der Praxis umgesetzt werden kann. Im Mittelpunkt standen ein urban integrierter Erdbeckenspeicher in Wien und ein Wärmespeicher in einem ehemaligen Basaltsteinbruch südlich von Graz.

Überblick über saisonale Speichertechnologien

Ludwig Fliesser von Green Energy Lab gab zu Beginn einen Überblick über unterschiedliche Technologien zur saisonalen Wärmespeicherung. Ausgangspunkt war die saisonale Verschiebung zwischen Wärmeangebot und Wärmebedarf: Überschüssige Wärme aus den Sommermonaten soll gespeichert und in der kalten Jahreszeit wieder nutzbar gemacht werden. Vorgestellt wurden unter anderem Heißwassertanks, Aquifer- und Kavernenspeicher, Erdsondenspeicher, Flüssigsalz- und Feststoffspeicher sowie Erdbeckenwärmespeicher.

Anhand mehrerer Referenzprojekte wurde gezeigt, wie unterschiedlich solche Speicherlösungen ausgestaltet sein können. Dazu zählten etwa der Hybridspeicher Theiß, bei dem ein großer Heißwasserspeicher mit einer Power-to-Heat-Anlage und einem Batteriespeicher kombiniert wird. Weitere Beispiele waren Aquiferspeicher wie im Projekt ATES Vienna sowie Erdsonden- und Kavernenspeicher. Den Abschluss des Überblicks bildeten Erdbeckenwärmespeicher, die anschließend in den beiden Praxisvorträgen vertieft wurden.

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ScaleUp: Erdbeckenspeicher für den urbanen Raum

Marieluise Pöschko-Reinweber von Wien Energie stellte das Projekt ScaleUp vor. Im Mittelpunkt steht ein Erdbeckenspeicher, der speziell für den urbanen Raum entwickelt wird und zur Dekarbonisierung der Wiener Fernwärme beitragen soll. Hintergrund ist der geplante Ausbau von Tiefengeothermie und Großwärmepumpen sowie die Diversifizierung der Wärmequellen. Saisonale Speicher sollen dabei zur Flexibilisierung und Effizienzsteigerung des Fernwärmesystems beitragen.

Für ScaleUp ist ein Pilot im 22. Bezirk an einem bestehenden Wien-Energie-Standort vorgesehen. Die vorhandene Infrastruktur bietet dabei gute Voraussetzungen für den weiteren Ausbau erneuerbarer Fernwärme. Ein zentrales Element des Projekts ist eine nutzbare und begehbare Deckfläche. Dafür wurde ein modular aufgebauter Schwimmdeckel entwickelt und erprobt.

Im Projekt werden zudem unterschiedliche Materialien, die technische Umsetzbarkeit sowie verschiedene Möglichkeiten der Betriebsführung untersucht. Eine umfassende Überwachung soll Erkenntnisse zur Effizienz und zu den CO₂-Auswirkungen liefern. Die Erfahrungen aus Entwicklung und Umsetzung sollen dazu beitragen, die Technologie für eine großflächigere Anwendung im urbanen Raum weiterzuentwickeln.

Sonnenspeicher Süd: Saisonaler Wärmespeicher in einem Basaltsteinbruch

Projektmanager Michael Reisenbichler-Sommerhofer stellte das Projekt Sonnenspeicher Süd südlich von Graz vor. Herzstück ist ein ehemaliger Basaltsteinbruch, der zu einem unterirdischen Wärmespeicher mit rund 1,5 Millionen m³ Wasser und einer Speicherkapazität von etwa 115 GWh ausgebaut werden soll.

Das Gesamtsystem verbindet mehrere Technologien. Als Hauptwärmequelle ist Solarthermie vorgesehen, ergänzt durch Wärmepumpen und ein Biomasseheizwerk zur Nachheizung. Über eine neue, rund vier Kilometer lange Fernwärmeleitung soll der Standort an die bestehende Fernwärmeleitung zwischen Mellach und Graz angebunden werden.

Der Speicher soll je nach Temperaturniveau unterschiedlich genutzt werden können. Bei ausreichend hoher Speichertemperatur kann Wärme direkt für das Fernwärmenetz bereitgestellt werden. Sinkt die Temperatur im Speicher, übernehmen Wärmepumpen einen größeren Anteil der Temperaturanhebung; bei Bedarf ergänzt das Biomasseheizwerk die Nachheizung. Großwärmespeicher können damit unterschiedliche Wärmequellen verbinden und zusätzliche Flexibilität für Fernwärmesysteme schaffen.

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Die Rechte an den Präsentationen liegen, wenn nicht anders angegeben, bei dem/der Vortragenden. Die Präsentationsmaterialien sind ausschließlich als Rückblick zu Ansichtszwecken gedacht. Eine Publikation oder Verwendung in Vorträgen Dritter ist nicht gestattet.

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Ludwig Fliesser

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T: +43 676 471 93 47
E: ludwig.fliesser@greenenergylab.at