23. Februar 2021

Blockchain Grid auf der Überholspur

Testphase mit gesteuertem Laden in Heimschuh läuft. Hierzu werden bei zwei EndkundInnen E-Autos, in Abhängigkeit von der sich zeitlich veränderten Netzkapazität, geladen und der ganze Ablauf getestet.

Durch die steigende Anzahl an Erzeugern aus erneuerbarer Energie – zum Beispiel durch eigene Photovoltaikanlagen – und gleichzeitig an Verbrauchern, wie z.B. Elektrofahrzeuge, entstehen neue Herausforderungen in elektrischen Niederspannungsnetzen. Das Projekt „Blockchain Grid“ geht der Frage nach, wie die Netzeinspeisung von Strom, der von unterschiedlichen Erzeugern produziert wird, am besten lokal gespeichert und verbraucht werden kann. Zusätzlich wird im Projekt überprüft, wie eine dynamische flexible Nutzung von freien Netzkapazitäten optimal umgesetzt werden kann. Ziel dabei ist es, eine Anwendung zu entwickeln, die es NutzerInnen erlaubt, autonom freie Netzressourcen untereinander aufzuteilen. Dabei kommt die Blockchain-Technologie zur Anwendung, mit welcher Datensätze und Steuerungsalgorithmen dezentral verwaltet werden. Endnutzer können sich somit als „Prosumer“ aktiv im Energiesystem einbringen.

Testphase mit gesteuertem Laden in Heimschuh

Am 15. Februar 2021 begann, anhand von gesteuertem Laden von E-Autos, eine Testphase der automatischen Aufteilung der Netzkapazität in der Energiegemeinschaft Heimschuh. Hierzu wurden bei zwei Endkunden E-Autos, in Abhängigkeit von der sich zeitlich veränderten Netzkapazität, geladen und der ganze Ablauf getestet. Damit werden die Kunden für die Ladung ihrer E-Autos, temporär und dynamisch mit mehr Leistung versorgt – also mehr, als man vertraglich zur Verfügung stellen müsste. Den Kunden wird hierfür je ein E-Auto für fast zwei Monate zur Verfügung gestellt.

Aktive Einbindung von EndkundInnen für die Erschließung ökonomischer und ökologischer Potenziale

Die Einbindung von EndkundInnen erfolgt im Green Energy Lab in unterschiedlichen Intensitäten. In der ersten Stufe werden NutzerInnen proaktiv mit Informationen aus laufenden Green Energy Lаb Projekten versorgt. Dies ist ein wesentlicher Schritt zum Ziel, das im Mittelpunkt steht: Die aktive Teilnahme von EndkundInnen an den Projekten, die damit einen wesentlichen Beitrag zu innovativen Lösungen leisten. Die zweite Stufe ist die aktive Einbindung der NutzerInnen in die Innovationsprozesse.

Besonders Energiegemeinschaften bieten den Beteiligten wirtschaftliche Potenziale, wie etwa eine Unterstützung für den Ausbau von Erneuerbaren. Diese entsteht durch eine höhere Eigenversorgung sowie netzdienliches Verhalten oder Einnahmen durch den lokalen Verkauf von eigens produzierten, grünem Strom.

Durch das Projekt Blockchain Grid können die KundInnen in der Gemeinde Heimschuh in der Steiermark 48 Prozent der in einem Jahr in der Community erzeugten Energie selbst verbrauchen. Mit dem gemeinschaftlichen Stromspeicher und zusätzlich mit dem Peer-to-Peer-Handel (Handel unter Gleichgesinnten) konnte die Zahl auf über 73 Prozent erhöht werden. Der von der Energiegemeinschaft extern bezogene Strom konnte mit allen Maßnahmen auf fast die Hälfte gesenkt werden, im Vergleich zu einem Szenario ohne den Peer-to-Peer Handel und ohne Community Speicher. Damit können sich die 12 Prosumern, die im Projekt aktiv teilnehmen, sobald es die rechtlichen Rahmenbedingungen (Clean Energy Package) erlauben, jährlich bis zu fast EUR 6.000, – sparen.

Eine detaillierte Projektbeschreibung finden Sie hier. 

Die Energienetze Steiermark koordinieren das Forschungsprojekt „Blockchain Grid“ als Teil von Green Energy Lab gemeinsam mit den Projektpartnern Siemens, Energie Burgenland und dem Austrian Institute of Technology (AIT).