Interview mit Julia Weberberger, Energie AG Oberösterreich
Drei Fragen zur Digitalisierung an Julia Weberberger von der Energie AG Oberösterreich im Rahmen des Executive Roundtables „Vom Megawatt ins Megabyte und wieder zurück“, veranstaltet von Green Energy Lab gemeinsam mit BearingPoint beim European Forum Alpbach 2026.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Transformation des Energiesystems?
Die große Herausforderung, vor der wir stehen in Europa, ist nicht mehr nur mehr erneuerbare Energie zu erzeugen. Letztlich ist die entscheidende Frage, wie wir diese erneuerbare Energie auch flexibel integrieren, verlässlich nutzen und am Ende des Tages intelligent steuern. Entscheidend dafür wird sein, dass wir Netze, Speicher, aber auch die Verbraucher gemeinsam denken.
Das haben wir in einer interdisziplinären Runde diskutiert und überlegt, wie wir ein komplexes Energiesystem der Zukunft mit Hilfe digitaler Steuerung auch sicher orchestrieren können.
Worauf kommt es bei der Digitalisierung des Energiesystems an?
Wir stehen vor einem neuen Energiesystem. Das System, aus dem wir kommen, ist ein zentrales System. Wir entwickeln uns hin zu einem System, wo es ganz viele volatile, dezentrale Verbraucher gibt, das heißt, viele von uns haben nur einen Teil des Puzzles in der Hand, die Energieversorger, die Infrastrukturbetreiber, die Verbraucher und auch die öffentliche Hand, wir alle müssen zusammenwirken, um dieses Puzzle zu einem großen Ganzen zusammenzusetzen. Und dazu brauchen wir natürlich Daten, Prognosen, um klug steuern zu können.
Wenn uns das gelingt, dann können wir aus dieser neuen Komplexität des Energiesystems eine neue Stärke Europas schaffen.
Wie vermeiden wir die Schaffung neuer Abhängigkeiten, etwa von Daten- und Technologiekonzernen?
Das ist eine ganz zentrale Frage. Wir dürfen nicht eine Abhängigkeit durch eine andere ersetzen. Ich denke, hier gilt es genauso wie bei der Energieversorgung auf Diversifizierung zu setzen. Wir dürfen uns nicht von einzelnen Anbietern abhängig machen und wir brauchen Anbieter, die Vertrauen sicherstellen. Vertrauen, was mit unseren Daten, mit den Daten der Kunden, der Verbraucher passiert. Wir müssen nach wie vor verstehen können: Wie werden die Daten verarbeitet, wo werden sie gespeichert und wie werden sie am Ende des Tages genutzt und vor allem auch von wem.
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