ÖGUT-Umweltpreis 2026 für AEE INTEC und Green Energy Lab

Das Leitprojekt RENVELOPE wurde mit dem ÖGUT-Umweltpreis 2026 ausgezeichnet: Mit vorgefertigten, multifunktionalen Fassadenmodulen und integrierter Gebäudetechnik zeigt das Projekt einen Ansatz für serielle Sanierungen im Gebäudebestand.

© Katharina Schiffl/ÖGUT

Große Freude bei der Preisübergabe: Projektleiterin Florine Leighton (AEE INTEC) nimmt gemeinsam mit Susanne Supper (Green Energy Lab) und Christian Fink (AEE INTEC) den ÖGUT-Umweltpreis 2026 von ÖGUT-Generalsekretärin Monika Auer (ganz links), Rupert Pichler (BMIMI, 2. v. l.) und ÖGUT-Präsidentin Andrea Reithmayer (ganz rechts) entgegen. © Katharina Schiffl/ÖGUT

In Österreich wurden 41 % der Gebäude vor 1981 errichtet, 38 % des Gebäudebestands gelten als sanierungsbedürftig. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten jährlich 3 % der Gebäude saniert werden, derzeit sind es 1,5 %. Genau hier setzt RENVELOPE an: Im Projekt wurde ein serielles Sanierungsverfahren mit vorgefertigten Fassadenmodulen und integrierter Gebäudetechnik entwickelt, das sich auf 71.500 großvolumige Gebäude in Österreich übertragen lässt. Für diesen Ansatz wurde RENVELOPE mit dem ÖGUT-Umweltpreis 2026 in der Kategorie „Klimaneutrale Stadt“ ausgezeichnet.

Gebäudehülle und Gebäudetechnik in einem System

Ziel ist es, energetische Sanierungen schneller, effizienter und qualitätsgesichert umzusetzen und dabei den Eingriff in den laufenden Gebäudebetrieb zu minimieren. Die Innovation liegt im ganzheitlichen Systemansatz: Die Sanierung erfolgt über die Außenhülle. Technische Funktionen, die üblicherweise im Gebäudeinneren umgesetzt werden, sind bei RENVELOPE in die Gebäudehülle integriert. Die Module verbinden unter anderem Dämmung, Fenster, Sonnenschutz, Photovoltaik, Lüftung, Leitungsführung und Bauteilaktivierung. Digitale 3D-Planung, hoher Vorfertigungsgrad und eine Anlieferung just in time und just in sequence verkürzen die Bauzeit substanziell, bei gleichzeitiger Nutzbarkeit des Gebäudes.

Das Projekt RENVELOPE wird von einem Konsortium aus 17 Partnern umgesetzt und von der Forschungseinrichtung AEE – Institut für Nachhaltige Technologien (AEE INTEC) geleitet. Es wird im Rahmen der Vorzeigeregion Energie – Green Energy Lab durchgeführt und vom Klima- und Energiefonds gefördert.

Drei Demonstratoren zeigen die Anwendung in der Praxis

Das Projekt umfasst Entwicklung, Planung, Umsetzung und Bewertung serieller Sanierungslösungen an drei Demonstratoren: einem Mehrfamilienhaus in Wien, einem Studierendenwohnhaus in Graz sowie der Landesberufsschule Knittelfeld. So wird die Übertragbarkeit auf unterschiedliche Gebäudetypologien und Rahmenbedingungen geprüft.

Am Demonstrator Wien, Arenberggasse 4, zeigen die Erkenntnisse aus der Umsetzung und den theoretischen Werten die technische Machbarkeit und energetische Wirkung des seriellen Sanierungsverfahrens. Die Sanierung erfolgte im bewohnten Zustand. Innerhalb von drei Wochen wurden alle Fassadenelemente mit Bauteilaktivierung montiert. Die Umstellung des Energiesystems von Gas auf erneuerbare Energiequellen erforderte nur minimale Eingriffe in die Wohnungen. Laut den Energieausweisen vor und nach der Sanierung sinken Heizwärmebedarf und rechnerischer CO₂-Ausstoß jeweils um 77 %. Daraus ergibt sich eine Einsparung von rund 64 Tonnen CO₂ pro Jahr.

Hohe Übertragbarkeit und Skalierungspotenzial

Der Mehrwert von RENVELOPE liegt in der hohen Übertragbarkeit auf den Gebäudebestand. Eine Potenzialanalyse zeigt, dass in Österreich über 71.500 Gebäude grundsätzlich für diese serielle Sanierungslösung geeignet sind. Würden alle infrage kommenden Gebäude mit dem RENVELOPE-Verfahren saniert, könnte eine Einsparung von 2,1 Millionen Tonnen CO₂ erzielt werden. Das entspricht rund einem Drittel des CO₂-Ausstoßes des österreichischen Gebäudebestandes.

Damit entwickelt RENVELOPE Musterlösungen für die rasche, qualitätsgesicherte und wirtschaftlich tragfähige Dekarbonisierung des Gebäudesektors. Wirtschaftlich ermöglichen digitale Prozessketten, hoher Vorfertigungsgrad, kurze Montagezeiten und standardisierbare Lösungen eine hohe Skalierbarkeit. Sozial profitieren Gebäudenutzende von geringerer Beeinträchtigung während der Umsetzung sowie besserer Raumluftqualität, niedrigeren Energiekosten und höherem thermischen Komfort nach erfolgter Sanierung.

Ausblick

Bis Projektende werden die Demonstratoren im Monitoring begleitet, die Betriebsführung optimiert und die technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Erkenntnisse ausgewertet. Es konnten bereits standardisierbare Lösungen und Prozesse abgeleitet werden, die eine breite Anwendung serieller Sanierung im österreichischen Gebäudebestand unterstützen und zur Dekarbonisierung von Gebäuden und Quartieren beitragen. Erste Umsetzungen haben auch bereits außerhalb des Forschungsprojekts stattgefunden, etwa die serielle Sanierung der HTL Steyr.

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Mehr Informationen

Hier finden Sie mehr Informationen zum Forschungsprojekt RENVELOPE.

Kontakt

Ludwig Fliesser

Communications Manager

T: +43 676 471 93 47
E: ludwig.fliesser@greenenergylab.at