Digitalisierung für Wärmenetze: Wie Daten deren Planung und Betrieb unterstützen

Beim Insight Talk von Green Energy Lab am 10. Juni 2026 gaben Expert:innen von Energie Klagenfurt, Wien Energie und AEE INTEC spannende Einblicke, wie digitale Lösungen die Planung, den Betrieb und die Weiterentwicklung von Wärmenetzen unterstützen können.

Illustration einer Stadt mit Gebäuden, Cloud-Dashboard und unterirdischem Rohrleitungsnetz. An den Rohren sind kleine Geräte angebracht; darüber ist ein blaues Netzwerk aus Linien und Punkten zu sehen.

 

15. Juni 2026 – Die Wärmewende stellt Wärmenetze vor neue Herausforderungen. Erneuerbare Wärme, Abwärme und Speicher müssen integriert, die Versorgungssicherheit gewährleistet und die Netze zugleich effizient und wirtschaftlich betrieben werden. Je komplexer die Wärmeversorgung wird, desto wichtiger wird es, die dahinterliegenden Daten zu betrachten: Wo entsteht Wärmebedarf? Welche Ausbaupotenziale gibt es? Wie lassen sich Erzeugung, Speicherung und Verbrauch aufeinander abstimmen? Wie lässt sich der Betrieb effizient steuern?

Genau hier setzt die Digitalisierung an. Denn digitale Werkzeuge können helfen, Ausbaupotenziale sichtbar zu machen, Wärmenetze besser zu verstehen und Entscheidungen in der Planung und dem Betrieb fundierter vorzubereiten. Sie schaffen die Grundlage, um unterschiedliche Datenquellen zusammenzuführen, Entwicklungen besser abzuschätzen und den laufenden Betrieb effizienter zu gestalten.

Beim Insight Talk von Green Energy Lab am 10. Juni 2026 stand das Thema der Digitalisierung für Wärmenetze im Mittelpunkt. Die Beiträge reichten von GIS-basierten Analysewerkzeugen für die intelligente Ausbauplanung über datenbasierte Betriebsoptimierung urbaner Fernwärmenetze bis hin zu digitalen Abbildungen für klimafitte Wärmenetze und optimierte Betriebsstrategien.

Intelligente Ausbauplanung am Beispiel der Stadtwerke Klagenfurt AG

Unter dem Titel „Fernwärme, die ihren Weg findet“ stellte Moritz Hofbauer von Energie Klagenfurt beim Insight Talk die Online-GIS-Applikation „HeatXplorer“ der Stadtwerke Klagenfurt AG vor. Ausgangspunkt war die bislang aufwändige manuelle Auswertung, Analyse und Aufbereitung von heterogenen Daten als Grundlage der Ausbauplanung der Fernwärme in Klagenfurt. Ziel der Anwendung ist es daher, die zukünftige Ausbauplanung durch automatisierte Datenaufbereitung und intelligente Analyse-Tools fundiert zu unterstützen. Als nutzerfreundliche, simple und effektive Online-Applikation bietet sie eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Weiterentwicklung der Wärmeversorgung.

Die Anwendung basiert auf zwei zentralen Komponenten: einer automatisierten Datenbasis und einer Online-Applikation. Die Datenbasis bereitet laufend Informationen aus internen sowie externen Quellen auf, verarbeitet eingegebene Daten und macht sie für die weitere Nutzung verfügbar. In der Online-Applikation können die Ergebnisse dann je nach Berechtigung eingesehen und analysiert werden. Neben klassischen Funktionen von GIS-Applikationen stehen vor allem zwei Hauptthemen im Fokus: Netzausbauplanung und Netzverdichtung. Zu den Anwendungsgebieten des „HeatXplorer“ zählen unter anderem gezielter Fernwärmeausbau, CO₂-Monitoring und intelligente Ausbauplanung.

Wie Digitalisierung urbane Fernwärmenetze in Wien optimiert

Ines Lindmeier von Wien Energie gab in ihrem Vortrag Einblicke in die Digitalisierung zur Betriebsoptimierung urbaner Fernwärmenetze am Beispiel von Wien. Sie begann mit einer Vorstellung des Wiener Wärmenetzes und ging anschließend näher auf die Sekundärnetze sowie deren effizienten Betrieb und Wartung ein. Daran anknüpfend wies sie auf das Ziel der Stadt Wien hin, die Wärmeversorgung bis 2040 zu dekarbonisieren.

Aus der Frage, wie das Ziel erreicht werden kann, rückte der Umgang mit Daten in den Mittelpunkt: Dazu wurden bestehende Datenbestände analysiert und harmonisiert und durch neue Datenquellen wie IoT-Anwendungen und Anlagendaten ergänzt. Außerdem ging es darum, die Daten skalierbar nutzbar zu machen und daraus konkreten Mehrwert für den Netzbetrieb zu schaffen.

Anhand eines Praxisbeispiels zeigte Ines Lindmeier, wie ein digitaler Zwilling gemeinsam mit den Unternehmen mit Noda und Gradyent auf Basis von 100 Prozent Smart Heat Metern eingesetzt wurde. Dabei konnte die Vorlauftemperatur gesenkt werden und es wurde zugleich deutlich, wie eng Vorlauf- und Rücklauftemperatur zusammenspielen. In weiteren Tests an unterschiedlich großen Netzen zeigte sich, dass die Vorlauftemperaturen in allen Netzen und die Rücklauftemperaturen in fast allen Netzen abgesenkt werden konnten. Als Learning der letzten Jahre wurde deutlich, dass das bloße Speichern von Daten nicht ausreicht. Entscheidend sind Datenqualität, internes Know-how, ausreichend Ressourcen und Zeit, Skalierbarkeit, Standardisierung und Data Governance. Ebenso braucht es Durchhaltevermögen, ein gemeinsames Verständnis der Komplexität und Commitment auf allen Ebenen.

Mit digitalen Abbildungen zu klimafitten Wärmenetzen

Xhoi Zhupani von AEE INTEC widmete sich digitalen Abbildungen zur Entwicklung klimafitter Wärmenetze und optimierter Betriebsstrategien. Zuerst wies er auf die Herausforderungen im Wärmesektor auf, wie ein wachsender und komplexer Erzeuger-Pool, die Integration neuer Technologien wie Wärmepumpen oder Solarthermie sowie die Optimierung des Betriebs bei zunehmender Systemkomplexität. Für Betreiber stellt sich dabei die zentrale Frage, wie trotz bestehender Unsicherheiten langfristige Planungssicherheit geschaffen werden kann.

Als Lösungsansatz präsentierte er ein Konzept, bei dem ein digitales Abbild des realen Wärmenetzes im Mittelpunkt steht. Damit soll eine Entscheidungsgrundlage für Betreiber geschaffen werden, um langfristige Entscheidungen zu treffen und Wärmenetze versorgungssicher, erneuerbar und resilient weiterzuentwickeln. Die zugrunde liegende Methodik umfasst dabei folgende Schritte: Status-quo-Analyse, Modellentwicklung und Validierung, GIS-basierte Analyse, Szenariodesign, Simulation sowie eine Gesamtbewertung.

Anhand zweier Beispiele zeigte Xhoi Zhupani, wie diese Methodik in der Praxis angewandt werden kann: In der Region Weiz-Gleisdorf wird die Entwicklung eines interkommunalen Wärmenetzverbundes untersucht, der bestehende Netze hydraulisch verbindet und eine gemeinsame Nutzung von Erzeugungs- und Speicherinfrastruktur ermöglicht. In einem Projekt in Murau steht wiederum die Frage im Mittelpunkt, wie überschüssige Stromproduktion genutzt werden kann, um daraus Wärme zu erzeugen und diese in das Wärmenetz einzuspeisen.

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